
- Barclay: Blutbeichte - Bastei Lübbe
Ein unheimlicher Serienkiller hält New York in Atem. Mehrere Opfer wurden in ihren Wohnungen brutal misshandelt und erschlagen. Zuvor jedoch zwang der Mörder sie, einen nahe stehenden Menschen anzurufen und diesem ein persönliches, häufig entlarvendes Geheimnis zu beichten.
Der italienisch-stämmige Ermittler Joe Lucchesi und sein irischer Partner Danny Markey jagen den Mörder und versuchen, Zusammenhänge zwischen den Opfern sowie ein Motiv zu finden.
Joe Lucchesi und sein Partner jagen einen brutalen Serienkiller
Bald finden die beiden Polizisten zwei Opfer, die dem Mörder in letzter Sekunde entkommen sind – ein entstellter Schmuckdesigner, der sich seit der Attacke in seinem Haus verbarrikadiert, und eine Frau, die seitdem behindert ist und mit einem Schädel-Hirn-Trauma in einem Spezialwohnheim behandelt wird.
Die Detectives entdecken, dass es Zusammenhänge mit dem Wohnheim gibt, verfolgen eine weitere Spur in ein Dentallabor und erhalten schließlich wirre Briefe, in denen der anonyme Schreiber Hinweise auf die Mordtaten gibt. Der Mörder aber ist seinen Verfolgern immer einen Schritt voraus und lockt sie sogar in eine tödliche Falle ...
"Blutbeichte" – der zweite Roman um den Polizisten Joe Lucchesi
"The Caller", so der Originaltitel dieses Buchs, ist der zweite Roman der irischen Autorin Anne Barclay, geboren 1974 in Dublin, die zuvor in erster Linie als Journalistin für Lifestyle- und Modemagazine gearbeitet hat.
Schon ihr Debütroman "Schattenturm" behandelt das Leben des New Yorker Polizisten Joe Lucchesi und seiner Familie, die damals einem irren Mörder in die Hände fiel, der die Lucchesis bis nach Irland verfolgt hat, Joes Frau Anna vergewaltigte und die Freundin seines Sohnes Shaun ermordete.
Die tragische Familiengeschichte des New Yorker Ermittlers
Diese tragische Vorgeschichte, die die Familie seitdem sowohl eng verbindet als auch entzweit, läuft als Nebenstrang zur eigentlichen Mörderjagd und bietet einiges an weiterem Spannungspotenzial. Shaun rebelliert offen gegen seine Eltern und ertrinkt seinen Kummer mit Sex und Alkohol. Anna dagegen verlässt seitdem das Haus kaum noch und leidet an Angstpsychosen.
Joe dagegen hat allerhand zu tun, seinem Job nachzukommen und sich gleichzeitig um seine Familie zu kümmern. Als sich schließlich noch der Gewalttäter, der die Familie beim Untertauchen in Irland terrorisiert hatte, wieder bei Lucchesi meldet und diesen provoziert, ist das Nervengerüst des Ermittlers am Rande des Erträglichen strapaziert.
Joe Lucchesi – sympathische Titelfigur mit Ecken und Kanten
Kein leichtes Los also für den sympathischen Joe Lucchesi, der schrägen Humor besitzt, bisweilen emotional überreagiert, seine Familie und seinen Beruf über alles liebt und Höllenangst vor einer anstehenden Zahnoperation hat, vor der er sich ständig mit Ausreden drückt.
Der Zahnschmerz zieht sich quasi als Leitmotiv parallel zu den seelischen Leiden des Spürhundes durch den Roman, und es ist meistens am humorvoll stichelnden Kollegen und Freund Danny Markey, seinen Partner wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.
"Blutbeichte" ist ein spannender Serienkillerroman
Anne Barclay schreibt mit "Blutbeichte" das beliebte Genre des Serienkillerromans nicht unbedingt neu, bietet aber dennoch einen teilweise hochspannenden und brutalen Thriller mit interessanten Nebenhandlungen, einem grausamen Psychokiller und einigen überraschenden Wendungen.
Wer "Schattenturm", den Debütroman der Joe-Lucchesi-Reihe, der noch weitere Bücher folgen sollen, noch nicht gelesen hat, sollte das am besten zuerst tun, den ansonsten wird zu viel aus dem ersten Roman in "Blutbeichte" verraten. Aber auch ohne Vorkenntnisse fesselt das Buch durch seine stringente Handlung und vielschichtige Charaktere.
Alex Barclays Manko an einer schlüssigen Auflösung
Das einzige Manko des ansonsten viel versprechenden Psychothrillers ist die Auflösung von "Blutbeichte" – allzu schnell verlagert sich das Interesse der Autorin auf die Hirnpatientin und ihre Vorgeschichte. Der Mörder wird zu früh verraten und spielt zum Schluss eigentlich keine große Rolle mehr. Quasi nebenbei wird er gefasst, und das Motiv seiner Gräueltaten bleibt vollständig im Dunkeln.
Hier wäre etwas weniger deutlich mehr gewesen, Alex Barclay hat den Fokus zu stark auf die Charaktere gerichtet und schließlich die eigentliche Handlung etwas aus den Augen verloren.
Weitere Romane um Joe Lucchesi in Vorbereitung
Dennoch sei "Blutbeichte" dem geneigten Leser empfohlen, und der Roman macht auf jeden Fall Lust auf weitere Werke aus dieser Reihe um Joe Lucchesi und seine Familie.
Anne Barclay: Blutbeichte. Bastei Lübbe 2009. Broschur, 336 Seiten. Euro 8,95.
