Colin Forbes – sein neuer Agententhriller "Todeskette"

Colin Forbes - Thriller Todeskette - Heyne Verlag
Colin Forbes - Thriller Todeskette - Heyne Verlag
In Colin Forbes Thriller "Todeskette" bekämpft der britische Geheimagent Tweed einen skrupellosen Großbanker, der über Leichen geht.

Ein grausiger Mord ruft das Team um den britischen Geheimdienstleiter Tweed auf den Plan. Die ehrwürdige, 84-jährige Bella Main, Besitzerin der größten und reichsten Privatbank im Vereinigten Königreich, ist auf grausame Weise ermordet worden – sie wurde mit einer "Todeskette", einem Stück Stacheldraht, brutal erdrosselt. Der Mörder hat sie auf ihrem Familien- und Geschäftssitz, dem abgelegenen Schloss Hengistbury Manor, ermordet und ihr dabei den Kopf fast abgetrennt.

Tweed und seine fünf Mitarbeiter verlassen das hektische London und begeben sich auf das Schloss, um den grausamen Mord zu untersuchen. Schnell schwant ihnen der Verdacht, dass der Tote im Kreis der arroganten und habgierigen Familienmitglieder zu suchen ist, die allesamt im Schloss wohnen. Doch gleichzeitig stoßen die Agenten auf die Spur des skrupellosen Verbrechers Calouste Doubenkian, der mit Gewalt reihenweise britische Privatbanken übernehmen will und dabei auch nicht vor Mord und Erpressung zurückschreckt.

Die "Todeskette" - Tweeds Agenten im Kampf gegen heimtückische Mörder

Als Tweed herausfindet, dass der Mörder offenbar im Auftrag Doubenkians gemordet hat, ist es schon fast zu spät. Die kampferprobten Agenten finden sich in der beschaulichen Landschaft des englischen Hochadels plötzlich einem unheimlichen Heckenschützen, einem Verräter in den eigenen Reihen und einer Horde französischer Auftragskiller gegenüber, die Schloss Hengistbury Manor belagern und gnadenlos Jagd auf die Geheimdienstler machen.

"The Main Chance", so der englische Originaltitel des Romans, erschien 2005, ein Jahr vor dem Tod Colin Forbes. Im Gegensatz zu den häufig wechselnden internationalen Schauplätzen in seinen langjährigen Tweed-Romanen begeben sich die Terroristenbekämpfer in "Todeskette" schon fast auf einen Wellness-Urlaub an einem Landausflugswochenende, auch wenn es bisweilen, wie in Forbes Romanen gewohnt, hart, brutal und krachig zur Sache geht.

Furiose Kämpfe und Actionszenen auf einem englischen Landschloss

Die Kulisse des steifen, verstaubten Gruselschlosses Hengistbury Manor zeigt sich aber weniger geeignet für die waffenreiche Action um Tweed und Konsorten und erinnert in seiner düsteren Behäbigkeit zeitweise an die alten High-Society-Krimis von Agatha Christie, Edgar Wallace oder Patricia Highsmith bzw. an deren bekannte Verfilmungen.

Und wenn es dann öfters kracht, scheint es fast so, als hätte man die Handlung eines Blockbusters wie "Lethal Weapon", "Die Hard" oder "The Transporter" in die Lüneburger Heide verlegt. Die zugegeben interessante und unheimliche Umgebung ist ein Schwachpunkt des Romans, zumal Forbes seine Protagonisten lange Zeit hinter den schrägen High-Society-Schnöseln der Bankiersfamilie hinterher laufen lässt.

Surreale, düstere Szenarien in der "Todeskette"

Aber Colin Forbes liebt die Beschaulichkeit englischer Landschaften sehr, ebenso wie einzelne europäische Länder wie Frankreich oder die Schweiz, und lässt seine Leser gerne detailliert an seinen langjährigen Europareisen teilnehmen. Die häufig einsamen, abgelegenen Landstriche und kleinen, düsteren Dörfer mit ihren abweisenden Einwohnern geben Forbes Romanen einen faszinierenden, beinahe surrealen Charakter, wie man ihn sonst eher aus alten englischen TV-Kultserien aus den 1960er Jahren wie "Mit Schirm, Charme und Melone" oder "Simon Templar" her kennt - oder auch aus den alptraumhaften Schwarzweiß-Szenarien der US-Gruselserie "The Twilight Zone".

Erst als sich der intellektuelle, humorlose Agentenführer Tweed und sein loyales Team - Tweeds charmante Assistentin Paula Grey, der schweigsame Scharfschütze Marler, der amerikanische Ex-Journalist und Lebemann Robert Newman und die Waffenspezialisten und Techniktüftler Harry Butler und Pete Nield – sich auf der Spur von Calouste Doubenkian nach Belgien begeben, lässt Colin Forbes ein wahres Action-Feuerwerk vom Stapel, dass eher an Tweeds angloamerikanische Geheimdienstkollegen James Bond, Jason Bourne oder an das Team von Mission Impossible erinnert.

Colin Forbes und sein Gedenken das alte, verlorene England

Und als sich die Agenten auf dem Festland gegen kampferprobte Killern und korrupte belgische Polizisten wehren müssen, finden sie sich schließlich ihrem Widersacher auf einem Schloss in den belgischen Wäldern gegenüber, der die Briten in einen brutalen Kampf auf Leben und Tod verwickelt.

Bisweilen kommt einem die gesamte Handlung von "Todeskette", wie oft in den Romanen Forbes, wie ein Relikt aus den 1960er Jahren vor – und würden nicht ab und zu ein Handy klingeln oder ein paar Euros oder gar der Eurostar-Tunnelzug auftauchen, hätte man das Gefühl, die Handlung könnte auch vor 40 Jahren spielen.

Der Erfolgsautor Colin Forbes auf den Spuren der Finanzkrise

Aber gerade das bewusste Altmodische ist ein markantes Zeichen in den Kriminalromanen von Colin Forbes wie dieser oder "Komplott", der Zeit seines Lebens mit der Moderne der letzten Jahrzehnte wenig anfangen konnte und lieber die Atmosphäre alter Gothic Novels und Detektiv- und Agentenromane und -filme aus dem späten 19. Jahrhundert bis in die Zeit des Kalten Krieges in seinen Werken konserviert – auch wenn in seinen letzten Büchern die Kalten Krieger längst Balkangangstern und islamistischen Terroristen gewichen sind.

Und man kann es als Zufall werten oder nicht, dass der geldgierige, brutale Banker Doubenkian nicht selten den skrupellosen Großkapitalisten, Geldvernichtern und Spekulanten der Finanzkrise und des Euro-Tiefflugs ähnelt.

Der Erfolgsautor Colin Forbes - vom Militäroffizier zum Thrillerautor

Colin Forbes, geboren 1923 in Hampstead bei London, arbeitete im Zweiten Weltkrieg als Militäroffizier und später als Verleger, Drehbuchautor, Journalist und Werbetexter. Ab 1966 veröffentlichte er seine Romane, teils unter Pseudonymen.

Seit 1982 schrieb er primär die Politthriller-Reihe um den englischen Geheimagenten Tweed, von dem auf Deutsch bisher 24 Romane erschienen sind. Forbes verstarb 2006 in London, und bis heute erscheinen immer noch "neue" Werke des Autoren, die er bereits vor seinem Tod fertig gestellt hat – und die sich bis heute einer weltweiten, treuen Leserschaft erfreuen.

Colin Forbes: Todeskette. Heyne Verlag 2010. Broschiert, 366 Seiten. 8,95 Euro.

Uwe Wolfrum, Uwe Wolfrum

Uwe Wolfrum - Geboren 1967 in Oberfranken, aufgewachsen in Hessen, gestrandet in Hamburg. Studium der Germanistik, Medienwissenschaften, Anglistik und ...

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