
- George Lazenby - Im Geheimdienst Ihrer Majestät - EON Productions
Mit James Bond verbindet man viele Gesichter – Sean Connery, Roger Moore, Timothy Dalton, Pierce Brosnan oder Daniel Craig. Seltener aber mit George Lazenby, der den bekanntesten Geheimagenten der Welt nur einmal spielte.
Der Australier füllte die Rolle von Sommer 1968 bis Anfang 1970 aus, nachdem Sean Connery die Reihe verlassen hatte. Sein einziger Einsatz, "On Her Majesty's Secret Service" von 1969 ("Im Geheimdienst Ihrer Majestät", auch "OHMSS" abgekürzt), ist der ungewöhnlichste aller Bondfilme. Lange Zeit kritisiert, aber inzwischen als Klassiker etabliert, folgte dem Film eine grandiose Fehlentscheidung. Am 5. September 2009 feierte George Lazenby seinen 70. Geburtstag.
Nachdem Sean Connery im Frühjahr 1968 nach fünf James-Bond-Filmen seinen Ausstieg verkündete, suchten die Produzenten Albert Broccoli und Harry Saltzman einen Nachfolger. Aus 412 Bewerbern wurde ausgerechnet der einzige Kandidat ohne Schauspielerfahrung ausgewählt - George Robert Lazenby.
1968 – George Lazenby ersetzt Sean Connery als James Bond
Dieser wurde am 5. September 1939 in Queanbeyan, Australien, geboren und arbeitete als Kampfsportausbilder beim Militär, Automechaniker und Gebrauchtwagenverkäufer. Mit 25 Jahren zog er 1964 nach London, wo er schnell einem Agenten auffiel. Seine Größe von 1,88 Meter und sein muskulöser Körperbau mit 111 cm Brustumfang machten ihn schnell zum begehrten Werbe- und Modemodel.
Er wurde mit Gagen von 600 Pfund pro Woche zum bestbezahlten Model Großbritanniens, zum europäischen Marlboro-Mann und war 1964 bis 1968 das erfolgreichste Männermodel der Welt.
Bereits 1966 begegnete er in einem Friseursalon in Soho Albert Broccoli, der von Lazenby beeindruckt war und ihn schon den nächsten Bond nannte. Seine Filmerfahrung allerdings war gleich null, bis auf eine Nebenrolle in einer italienischen Agentenklamotte.
Ein Playboy ohne Schauspielerfahrung
Als Lazenby vom Bond-Casting hörte, ging er spontan vorbei – und kam mit vier weiteren Schauspielern unter die letzten Fünf. Der Außenseiter beeindruckte Regisseur Peter Hunt durch seine Kampfsporterfahrungen. Dazu unterdrückte er seinen australischen Akzent und erfand einen Lebenslauf als Rennfahrer und Playboy mit Schauspielerfahrung.
Der Träger des schwarzen Gürtels machte in einer Probekampfszene den besten Eindruck und brach sogar seinem Gegner die Nase. Lazenby bekam die Rolle und eine Gage von 50.000 Pfund.
Sofort schoss sich die britische Regenbogenpresse auf Lazenby ein und verspottete ihn aufgrund einer Süßspeisenwerbung als "Schokoladen-Bond". Beim Dreh zu "OHMSS" von Herbst 1968 bis Sommer 1969 in Großbritannien, Portugal und der Schweiz geriet der jüngste aller Bond-Darsteller (damals gerade 29) unter gewaltigen Druck.
George Lazenby - schwerer Stand bei Fans und Presse
Trotz großartiger physikalischer Präsenz musste er eine Rolle ausfüllen, die noch ganz auf Sean Connerys zugeschnitten war. Zudem konnte er nicht mit Kritik umgehen und wurde von seinen Co-Stars Diana Rigg und Telly Savalas ignoriert.
Hunt versuchte zudem, seine mangelnde Schauspielerfahrung durch Druck und Isolation auszugleichen, um ihn zu extremen Reaktionen zu provozieren. Neben dieser Frustration beriet ihn sein Agent Ronan O'Rahilly falsch und empfahl ihm, die Rolle zu verlassen. Nach seiner Ansicht war Bond im Jahr von Easy Rider und Woodstock ein Auslaufmodell, das keine Zukunft mehr habe. Lazenby glaubte ihm und entschloss sich aufzugeben.
Zwei Unwahrheiten muss man berichtigen – "OHMSS" war keineswegs erfolgloser als andere Bondfilme, sondern spielte genauso viel ein. Und Lazenby wurde auch nicht gefeuert, sondern erhielt das bisher beste Angebot aller Bond-Darsteller.
Die große vergebene Chance als James Bond der Siebziger
Noch Anfang 1970 schickten ihm die Produzenten einen Scheck für seinen zweiten Bondfilm "Diamonds Are Forever" (Diamantenfieber, 1971), den schließlich wieder Sean Connery übernahm, sowie einen Vertrag über sieben weitere 007-Filme. Der Australier hätte damit alle Filme bis "Octopussy" (1983) drehen können, doch er entschied sich dagegen.
Auch wenn viele Kritiker den Hauptdarsteller kritisierten, lobten sie dennoch den actionreichsten aller Bondfilme, der mit einem grandiosen Soundtrack und neuen Maßstäben an Stuntszenen, Kameraführung und Schnitt überzeugte.
Lazenbys Filmkarriere endete aber mit dieser Fehlentscheidung. Trotz eines Golden Globes als bester Nachwuchsdarsteller hielt er sich fortan mit kleinen Filmrollen und Werbeaufträgen über Wasser, nachdem die Bond-Produzenten negativ über ihn berichteten.
Filmkarriere auf Umwegen - über Asien in die USA
Erst 1973 schien der große Coup nahe – als Sidekick von Bruce Lee sollte er in Hongkong mehrere Filme drehen, doch die Kampfsportikone verstarb frühzeitig, und Lazenby drehte bedeutungslose Trash-Actionfilme wie "Der Mann aus Hongkong" (1974), bevor er 1977 in die USA ging.
Dort gelangen ihm mit "Kentucky Fried Movie" (1977) und "Saint Jack" (1979) Achtungserfolge, doch der Durchbruch blieb ihm verwehrt. Dafür drehte er lange mittelmäßige Kriminal-, Horror- und Actionfilme und TV-Serien und mimte 1993 sogar in mehreren Filmen den Lover der französischen Soft-Porno-Queen Emmanuelle.
Und immer wieder holte ihn James Bond ein, besetzte man ihn doch gerne in Bond-Parodien. Dazu bat man ihn bei jedem neuen Bondfilm zu Interviews und TV-Auftritten, was er sich fürstlich honorieren ließ.
George Lazenby – das Schicksal als ewiger Bond-Darsteller
Als ihn der deutsche James-Bond-Fanclub 1991 zu einem Convent einlud, verlangte der Australier 20.000 Mark und einen zweiwöchigen Europaurlaub. Der Fanclub verzichtete dankend. Auch eine Einladung zu Thomas Gottschalks "Wetten daß...?" scheiterte an der Gagenforderung.
Lazenby verbreitete lange Zeit das Gerücht, seine Entscheidung sei richtig gewesen. Erst später gestand er, einen großen Fehler begangen und auf den falschen Rat gehört zu haben.
Mit der Zeit gewöhnte sich Lazenby an sein Dasein als "Schatten-Bond". Zum Einstand von Pierce Brosnan als Doppelnull in "Goldeneye" (1995) ließ er sich in bewährter Pose mit Smoking und Pistole ablichten, und zum Filmstart von "Die Another Day" (2002) ging er sogar auf PR-Tournee. Mit 007-Bösewicht Richard Kiel und den Bondgirls Maud Adams und Lois Chiles tourte er für Interviews und Autogrammstunden durch Deutschland und lobte den aktuellen Bondstreifen.
George Lazenby – Höhen und Tiefen im Leben wie auf der Leinwand
Seine finanzielle Unabhängigkeit erlangte George Lazenby Anfang der 1990er Jahre als Immobilienmakler. Er kaufte günstiges Brachland in Kalifornien, baute es zu Grundstücken um und machte Millionen. Aus der Schauspielerei zog er sich 2003 zurück.
Auch privat ging es in seinem Leben auf und ab. Von 1971 bis 1995 war er mit Christina Gannett verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Sein Sohn Zachary verstarb 1994 mit 20 an einem Gehirntumor. Von 2002 bis 2008 war er mit der Tennisspielerin Pam Shriver liiert, mit der er drei Kinder hat.
Heute lebt er in Kalifornien, auf Hawaii und in Australien, pflegt seinen Lebensstil als Playboy und liebt Golf, Skifahren, Auto- und Motorradrennen. Dazu freut er sich immer auf neue Bondfilme, die auch ihn wieder ins Rampenlicht stellen. Und wenn ein Spruch auf einen Bond-Darsteller zutrifft, dann auf George Lazenby – einmal Bond, immer Bond.
